Fotografie
Ein weiteres Medium seines Schaffens ist die Photographie, die neben den Zeichnungen, die sich aus dem schnellen Skizzieren des Motivs entwickelt haben - auch das ein „klassisches“ Medium des Architekten - ebenso dem „Festhalten“ eines Motivs ohne großen zeitlichen Aufwand dient. In Ortners Photographien spielen Spontanität und zufälliges Finden eine große Rolle; die Themen sind wiederum Details architektonischer Ansichten, wobei ihn insbesondere das Zusammentreffen von Flächen, - seien es Häuserwände, Decken, Fußböden oder ein Stück Himmel - , also Ecken, Winkel und Durchblicke, interessieren.
Auch hier wird wieder eine „Spezialität“ des Blicks des Künstlers sichtbar, wie sie vor allem in den Pastellen in immer neuen Varianten vorgeführt wird: Ortner ist fasziniert vom Mit- und Gegeneinander der Texturen einander überlagernder oder angrenzender geometrischer Felder; da steht Mattes neben Glänzendem, Strukturiertes neben Glattem, Erdiges neben Buntem.
Im Bereich der Photographie gewinnt Ortners künstlerisches Anliegen seine stärkste Aussagekraft. Das Zusammenwirken einer konstruktivistischen Ästhetik mit den konstruktiven Details gebauter Räumlichkeiten führt zu einer neuen Bildwirklichkeit, die zwischen Naturwirklichkeit und der Künstlichkeit freier ästhetischer Konfigurationen in der Schwebe gehalten wird. Mimesis und freie Konkretion erscheinen hier aufs glücklichste vereint.
Einst gab Kandinsky dem jungen Schüler den Ratschlag „Finde Deine eigenen Kreise“. Es scheint, als habe Ortner in dieser Verbindung von konstruierendem Bemühen und mühelosem Finden nun wirklich „seine Kreise“ geschaffen.
Lido von Mengden
(Zitat aus: Rudolf Ortner, Bauhaus-Schüler 1932 – 1933, Architekt 1936 – 1976, Maler und Fotograf 1977 – 1997, S. 229, I. Holzapfel Verlag München 2007)